Altchinesische Kampfkunst

Dehnung

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10. Welt Wushu Meisterschaft in Kanada im Oktober 2009

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Auf Dehnung bzw. Dehngymnastik wird im Kampfsport bzw. der Kampfkunst, sehr viel Wert gelegt. Also sollten wir uns mal damit ein wenig befassen, oder?

Lange hat es gedauert. Aber der Erfolg spricht für sich.

Leider gibt es zum Thema Dehnung (Stretching) immer noch viele Irrtümer und viel Irrglauben. Kein Sportlehrer, Trainer etc. weiß eigentlich so ganz genau wofür und vor allem wie die Dehnung nun richtig praktiziert wird.

Solange ich denken kann, haben mir meine Trainer, meine Sifu´s und Sigung´s, ja sogar meine Sportlehrer mitgeteilt und mir mit auf den Weg gegeben, das Dehnung das Verletzungsrisiko minimiert, das der Muskelkater nicht so bösartig wird und das die Leistung verbessert wird. Ich musste dutzendweise theoretische Dehnungsweisheiten auswendig lernen und mitunter, in Form von Multiple Choice, beantworten.

Wenn ich das mal auf Hochdeutsch sagen darf: "Keine Sau hat kontrolliert ob das überhaupt stimmt."

Hier vielleicht ein paar hilfreiche Thesen, Berichte und Studien zu diesem Thema.

Vermindert die Dehnung das Verletzungsrisiko ?   Antwort: Nö

>>Der Sport trotzt nur so von Pseudowissenschaften<< äußerten Domhnall MacAuley und Thomas Best im Vorwort zu einer Ausgabe des British Medical Journal, die sich dem Schwerpunktthema >>Verminderung  des Verletzungsrisikos im Sport<< widmete. Und sie äußerten weiter: >>Es ist ziemlich schwierig, die in den Umkleiden gepredigten Weisheiten und die wissenschaftlichen Belege auseinanderzudividieren.<<

Da gab es also einen Ian Shrier vom Fachbereich Physiologie des McGill University in Quebec in Kanada.  Der wiederum versuchte die Weisheiten und Predigten der Besagten klarzustellen. Dabei verfolgte er zwei Wege: Zum einen betrachtete er die wenigen verwertbaren klinischen Studien, und zum anderen studierte er die Ergebnisse der Grundlagenforschung in diesem Bereich.

Die Studien lieferten, wie sollte es auch anders sein, zunächst kein eindeutiges Bild:

4 stellten fest, dass Stretching vor Verletzungen schützt.

5 fanden keinen Unterschied zwischen stretchenden und nicht stretchenden Sportlern.

3 waren der Meinung das Stretching schadet.

Als Shrier Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die Bewertung mit einbezog, wurde die ganze Sache ein wenig deutlicher.

In drei der  vier positiven Studien hatten die Probanden zusätzliche Aufwärmübungen durchgeführt. Und im Gegensatz zum Stretching gibt es für Aufwärmübungen zumindest Hinweise auf eine schützende Wirkung.

In der vierten Untersuchung hatte man den positiven Effekt nur bei Frauen gefunden.

Ergo: Keine der 12 Studien stützen die Behauptung, dass Dehnübungen das Verletzungsrisiko mindern würden.

Ian Shrier führt noch weitere Argumente an, die gegen Stretching als Verletzungsprophylaxe sprechen: Zum Beispiel führen bereits leichte Dehnübungen zu Schäden in der Muskelzelle. Außerdem setzt Stretching die Schmerzempfindlichkeit herab, für die Vorbeugung kann es aber wohl nicht sinnvoll sein, dass die Warnlampe später leuchtet als normal. Und dann: Die meisten Verletzungen passieren innerhalb der normalen Bewegungsreichweite. Weshalb sollte also eine Vergrößerung der Reichweite durch Dehnübungen vor Verletzungen schützen?

Die Probe auf Exempel machte eine australische Arbeitsgruppe, der 1500 männliche Rekruten als Laborratten dienten. Die Soldaten wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe machte vor dem Training nur Aufwärmübungen, die anderen zusätzlich Dehnübungen für die Muskeln. Nach zwölf Wochen verglich man die Zahl der Sportverletzungen in beiden Gruppen - und fand keinen statistisch signifikanten Unterschied.

Das heißt, Stretching plus Aufwärmen bringt einem Sportler nicht mehr Verletzungsschutz als Aufwärmen alleine. Aus dem kleinen, statistisch nicht signifikanten Unterschied errechnen die Organisatoren der Studie: Wenn dieser Unterschied tatsächlich auf dem Stretching (und nicht auf Zufall) beruhen würde, müsste ein einzelner Sportler 23 Jahre stretchen, um eine einzige Verletzung zu vermeiden.

Wofür kann also die Dehnung gut sein? Nun, für die Beweglichkeit. Und die ist bei der Kampfkunst und dem Kampfsport schließlich von erheblicher Bedeutung.

 

Quellenangabe:

Udo Pollmer, Gunter Frank, Susanne Warmuth: Lexikon der Fitness-Irrtümer (April 2005)

D.MacAuley,T.Best: Reducing risk of injury due to exercise. Stretching before exercise does help. British Medical Journal 2002/325/S.451 f.

I.Shrier: Stretching before exercise does not reduce the risk of local muscle injury: a critical review of the clinical and basic literature. Clinical Journal of Sport Medicine 1999/S.221 ff.

I-Shrier: Stretching before exercise: an evidence based approach. Brtish Journal of Sports Medicine 2002/34/S.324 f.

R.Pope et al.: A randomized trial of preexercise stretching fpr prevention of lower-limb injury. Medicine & Science in Sports & Exercise 2000/32/S.271 ff.

R.Herbert, M.Gabriel: Effects of stretching before and after ecercise on muscle soreness and risk of injury: systematic review. British Medical Journal 2002/325/S.468 ff.

 

 

 

 

 
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Stand: 01. Mai 2012

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